Professur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte Dr. Joey Rauschenberger

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Postanschrift: 
Joey Rauschenberger
Historisches Seminar der Universität Heidelberg                       
Grabengasse 3-5
69117 Heidelberg

Besuchsadresse: 
Neue Universität Heidelberg  
Universitätsplatz 1                   
2. OG, Raum 225/226

Tel.: + 49 (0) 6221/543453
E-Mail: joey.rauschenberger@zegk.uni-heidelberg.de

Sprechstunde (während der Vorlesungszeit): Montags, 15-16 Uhr.

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Portrait von Joey Rauschenberger

Profil

Ich erforsche die Sozial- und Kulturgeschichte moderner Gesellschaften mit besonderem Blick auf marginalisierte Gruppen und gesellschaftliche Aushandlungen von Zugehörigkeit. Im Zentrum meines Interesses stehen daher Prozesse sozialer Inklusion und Exklusion sowie das Spannungsverhältnis zwischen (sozialen) Normen und gelebter Praxis. Ein wichtiger Zugang ist dabei das Handeln von Verwaltungen als Schnittstelle zwischen Staat und Individuen, an der gesellschaftliche Ordnung hergestellt wird.

Von 2020 bis 2024 promovierte ich an der Forschungsstelle Antiziganismus der Universität Heidelberg über die Praxis der Wiedergutmachung von NS-Unrecht für Sinti und Roma in Baden-Württemberg. Die mit summa cum laude bewertete Dissertation ist in der Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte bei De Gruyter Oldenbourg erschienen und wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Seit 2024 bin ich wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte am Historischen Seminar der Uni Heidelberg. In meinem Postdoc-Projekt untersuche ich die Geschichte von Straßenkindheit in Großbritannien und Deutschland im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert und frage nach gesellschaftlichen Deutungen, institutioneller Regulierung und sozialen Praktiken von Kindheit jenseits bürgerlicher Normvorstellungen. Forschungsaufenthalte führten mich im Rahmen des Projekts nach Großbritannien und in die USA. Weitere Veröffentlichungen von mir befassen sich mit dem Nationalsozialismus und seiner Aufarbeitung, dem Antiziganismus sowie Kindheit im 20. Jahrhundert. Neben meiner universitären Forschung und Lehre engagiere ich mich regelmäßig in verschiedenen Formaten der Wissenschaftskommunikation und des Wissenstransfers.

zum CV

Akademische Vita

Seit 2024: 
Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Postdoc) an der Professur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte (Prof. Dr. Katja Patzel-Mattern) am Historischen Seminar der Universität Heidelberg

seit 2026:
Kollegiat der Jungen Akademie der Heidelberg Akademie der Wissenschaften (HAdW)

2025:
Academic Visitor, University of Oxford (Kurzaufenthalt)

2024/25:
Young Marsilius Fellow am Marsilius Kolleg (Institute for Advanced Studies der Universität Heidelberg)

2020–2024:
Promotion an der Forschungsstelle Antiziganismus der Universität Heidelberg (summa cum laude)

2013–2020:
Studium der Geschichte, Deutschen Philologie und Global History an der Universität Heidelberg (M.A. mit Auszeichnung)

Forschungsinteressen

  • Sozial- und Kulturgeschichte Deutschlands und Europas im 19. und 20. Jahrhundert
  • Real- und Rezeptionsgeschichte des Nationalsozialismus, insbesondere Wiedergutmachung von NS-Unrecht
  • Historische Antiziganismusforschung/ Romani Studies
  • Kulturgeschichte der Verwaltung
  • Kindheitsgeschichte
  • Südwestdeutsche Landes- und Regionalgeschichte, insbesondere Heidelberger Stadtgeschichte

Laufende Forschungsprojekte

Postdoc-Projekt: „Straßenkindheit in Großbritannien und Deutschland (ca. 1880–1939)“ (Arbeitstitel)

Das als transnationaler Vergleich angelegte Projekt soll in der ersten Sozial- und Kulturgeschichte der Straßenkindheit als Thema einer ambivalenten Moderne münden. Kindheit auf der Straße bzw. unbehaustes Aufwachsen wird dabei als Sonde für ein besseres Verständnis zeitgenössischer Zukunftserwartungen, sozialer Zugehörigkeit und politischer Ordnung in der europäischen Hochmoderne zwischen 1880 und 1939 verstanden. Anhand verschiedener urbaner Fallbeispiele und einer Verknüpfung methodischer Zugänge aus der Diskurs-, Verwaltungs- und Alltags- bzw. Erfahrungsgeschichte sollen hegemoniale Denkstile, politisch-administratives Handeln ebenso wie die Erfahrungspraxis der betroffenen Kinder erschlossen werden. 

 

Projekt: „(All-)Einwanderung. Politische Normierung und kindliche Aneignung von Integration am Beispiel minderjähriger 'Boatpeople' ohne Eltern in der Bundesrepublik der 1970er- und 1980er-Jahre“. 

Das Forschungsprojekt untersucht die von der historischen Migrationsforschung bisher kaum beachtete Gruppe der sogenannten Boatpeople aus Südostasien aus sozial- und kindheitsgeschichtlicher Perspektive. In zwei Teilprojekten zu politischer Normierung und kindlicher Aneignung werden die Entscheidungsprozesse, Bedingungen und subjektiven Erfahrungen von Integration in der Bundesrepublik der 1970er- und 1980er-Jahre beleuchtet. Im Zentrum stehen „unbegleitete Minderjährige“, die in Folge von Krieg, Verfolgung und Flucht ohne Familie nach Deutschland kamen. So interessiert im Projekt insbesondere die Bedeutung familialer Strukturen für Integrationsprozesse sowie die Frage, wie sich das Fehlen von Eltern und Familie – in Fremd- und Selbstwahrnehmung – auf Alltag und gesellschaftliche Teilhabe auswirkte. 

Das Projekt mit einer Laufzeit von 2026 bis 2029 wird von Stiftung Bildung und Wissenschaft gefördert.

Mehr zum Projekt

 

Projekt: „Who cares. Familien- und Sorgebeziehungen im Wandel"

Im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern gefördertes interdisziplinäres Heidelberger Projekt mit dem Ziel der Einwerbung von Drittmitteln für ein größeres Verbundprojekt. Zehn PIs aus fünf Fachrichtungen (Geschichte, Medizingeschichte, Theologie, Psychologie, Soziologie) arbeiten seit 2024 an der Erforschung von Normativität und Praxis von Familie- und Sorgebeziehungen im historischen Wandel, insbesondere seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 

Mehr zum ProjektBlog „Who cares?“

 

Förderungen und Auszeichnungen (Auswahl)

2026: 
Klaus-Georg und Sigrid Hengstberger-Preis für den wissenschaftlichen Nachwuchs (mit Charlotte Kirsch-Klingelhöffer)

2026: 
Manfred Lautenschläger-Preis der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (für die Dissertation)

2026: 
Stipendium für Kurzaufenthalt an der University of Connecticut im Baden-Württemberg/ Connecticut Faculty Mobility Program

2025:
Willy Brandt-Preis für Zeitgeschichte (für die Dissertation)

2025:
Deutscher Studienpreis der Körber-Stiftung (2. Preis) in der Sektion Geistes- und Kulturwissenschaften (für die Dissertation)

2024:
Promotionsförderung durch die Landesgraduiertenförderung Baden-Württemberg und die Stiftung Zeitlehren

Aktuelle Publikationen

Monographien

  • Wiedergutmachung für Sinti und Roma. Eine Praxisgeschichte der Entschädigung in Baden-Württemberg (Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Bd. 132), Berlin 2026.

Zur Verlagsseite

  • Die Fürstenfamilie Hohenlohe-Langenburg und der Nationalsozialismus. Eine Geschichte von Anpassung und Dissens, Ostfildern 2025 (mit Frank Engehausen).

Zur VerlagsseiteRezension in der Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte

 

Artikel

  • Compensation for Nazi Injustice as Administrative Practice. Baden-Württemberg Sinti and Roma Inside the „Contact Zone“, in: Historical Reflections/ Réflexions Historiques 52 (2026) 2, S. 50–69.

open access

  • Wiedergutmachung für Sinti und Roma. Bestandsaufnahme und Perspektiven der Forschung, in: Thomas Höhne/ Nicole Janka/ Marcus Mühlnikel (Hg.): Sinti und Roma in Geschichte und Erinnerung. Europäische und regionale Perspektiven (Schriften des Instituts für Fränkische Landesgeschichte 2), Bamberg 2025, S. 125–144.

open access

  • Entnazifizierung ohne personelle 'Säuberung'? Die Reintegration der Täter des Genozids an den Sinti und Roma in der amerikanischen Besatzungszone, in: Jens Krumeich/ Sandra Schell (Hg.): Entnazifizierung und Reeducation. Kultur- und literaturgeschichtliche Perspektiven (Untersuchungen zur deutschen Literaturgeschichte, Bd. 182), Berlin/ Boston 2025, S. 87–115.

open access

  • Forced sterilization of underage Sinti and the struggle for compensation, in: Helga Amesberger/ Helga Embacher/ Johannes-Dieter Steinert (Hg.): I haven’t even told my mother. Children as victims of sexual and sexualized violence in the Second World War and its aftermath, Salzburg/Wien 2025, S. 141–158.

 

vollständige Publikationsliste

 

Lehre

AKTUELLE LEHRVERANSTALTUNGEN

Wintersemester 2026/27

Proseminar: Von Marx bis Hitler. Die Geschichte der Sozialdemokratie 1848 bis 1945

Sommersemester 2026
Proseminar: Zwischen Erziehung, Vernichtung und Selbstbehauptung: Sinti und Roma seit der Frühen Neuzeit

Übung: Mehr als nur ein Spiel. Fußball und Politik (mit Joachim Brenner)

 

BETREUUNG VON ABSCHLUSSARBEITEN

Ich bin prüfungsberechtigt für Bachelorarbeiten im Fach Geschichte. Studierende, die eine Bachelorarbeit in meinen Forschungsfeldern verfassen möchten, können sich gerne per E-Mail bei mir melden. 

Akademische Selbstverwaltung

  • Seit 03/2026: Ehrenamtlicher Vertrauenslotse für GUIDE an der Universität Heidelberg (Beratungstätigkeit bei Arbeitskonflikten, Gleichstellungsfragen und Fehlverhalten)
  • Seit 05/2025: Mitglied im Fachrat des Historischen Seminars (Gewählter Mittelbauvertreter)