Publikationen
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Der Symbolismus des zwölften Jahrhunderts In dem an geistigen Bewegungen reichen zwölften Jahrhundert erscheint neben der in Frankreich entwickelten neuen Klassik und neben der von Paris ausstrahlenden Scholastik auch eine symbolistische Literaturgruppe, die besonders im Sacrum Imperium Verbreitung findet. Ihr führender Kopf ist der aus Lüttich kommende Rupert von Deutz (um † 1130); die bekannteste Gestalt der Bewegung Hildegard von Bingen († 1179). Durchgehendes Thema ist bei fast allen Autoren der Gruppe das Nachdenken über den Sinn der Geschichte. Mit Otto von Freising bekommt die Geschichtsphilosophie eine neue Richtung; mit Anselm von Havelberg setzt im lateinischen Westen die Geschichtstheologie ein; Herrats von Landsberg enzyklopädischer Hortus Deliciarum interpretiert die Verheißung an Abraham (Gn 22,17) als universale Botschaft an die ganze Menschheit, wie das zuvor schon Honorius Augustodunensis in seiner Auslegung des Hohenlieds als ‘Weltheilsdrama’ getan hatte.
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Isaac de Stella Das menschliche Denken ist progressiv. All das ist eine Prophezeiung dessen, was kommen wird, erklärt aber vor allem aus der Logik der Kontinuität heraus die Vorgeschichte der Ideen einer bestimmten Epoche. Umso überraschender ist es, dass die sogenannte mittelalterliche Philosophie in Vergessenheit geraten ist, wenn nicht sogar verschmäht wird. Einer der unbekanntesten Schöpfer und Vermittler der besten kulturellen Tradition ist Isaac de Stella, der mit Strenge und Schönheit über einige der Hauptthemen der Metaphysik nachdachte, darunter insbesondere das Sein schlechthin. Sein Werk untersucht weitgehend, wie man sich der Natur Gottes durch konzentrische Kreise nähern kann, in denen die Vernunft vom Alltäglichsten und Oberflächlichsten zum Verborgensten und Entscheidendsten des Seins vordringt, jenseits dessen es unmöglich ist, etwas Größeres und Vollkommeneres zu denken. Ohne Denker wie ihn und die Lehrer der Schulen von Chartres und Saint-Victor ist es unmöglich, die antike Philosophie zu verstehen, die klassische Scholastik zu erklären und das Denken der Renaissance zu beleuchten, welches das Tor zur Moderne und Gegenwart darstellt. | |
Johannes von Salisbury Das Metalogicon des Johannes von Salisbury aus dem 12. Jahrhundert handelt von den Voraussetzungen für ein Studium der Artes Liberales, besonders der Grammatik, Logik und Dialektik. Anhand der überlieferten und zu dieser Zeit bereits ins Lateinische übersetzten Schriften des Aristoteles sowie am eigenen Beispiel zeigt Johannes, wie unentbehrlich diese Bildung für ein nach ethischen Maßstäben gelingendes Leben ist. Hier liegt die erste deutsche Übersetzung vor, in der man außerdem wertvolle Einblicke in das Frühstadium der Pariser Universität mit ihren damals dort Lehrenden wie Peter Abaelard oder Bernhard von Chartres gewinnen kann. | |
Juan Escoto Der Mensch möchte Gott kennenlernen, und Gott seinerseits lehnt diesen Wunsch keineswegs ab, sondern begünstigt ihn und erfüllt ihn. Seit den Anfängen des Christentums gilt das Johannesevangelium als ein Text, der nicht nur auf spiritueller, sondern auch auf philosophischer Ebene zum Mysterium Gottes vordringt. Als die monastische Tradition des späten ersten Jahrtausends dieses Evangelium und insbesondere seinen Prolog erneut las, entwickelte sie eine Methode, die Schöpfung, den Menschen, der sie bewohnt, und das göttliche Wort besser zu verstehen. Die Predigt über den Prolog des vierten Evangeliums und der unvollständig erhaltene Kommentar dienen dazu, den Philosophen Johannes Scottus kennenzulernen. Johannes Scottus (9. Jahrhundert) war ein berühmter karolingischer Exeget und Theologe sowie ein produktiver Übersetzer. Er gehörte zur Hofschule Karls des Kahlen, welche Zentrum der karolingischen Renaissance war. | |
Greko-latinskoe Srednewekowje. Russische Übersetzung von Griechisch-lateinisches Mittelalter. Ausschnitt aus der übersetzten Vorrede: "Das Buch von Walter Berschin, das Sie in Ihren Händen halten, ist längst zu einem klassischen und unverzichtbaren Leitfaden zur Geschichte der zwischensprachlichen Kontakte im Mittelalter und zu den Schwierigkeiten beim Verstehen einer Fremdsprache sowohl im Westen als auch im Osten der christlichen Welt geworden. Es erschien bereits 1980, wurde ins Englische, Italienische, Neugriechische und Polnische übersetzt, erhielt zusätzliche Register, wurde aber vor allem vom Autor ständig ergänzt. Für diese Ausgabe hat Professor Berschin zahlreiche Korrekturen und Erweiterungen übermittelt, sodass die russische Übersetzung seines Buches als die bisher relevanteste gelten darf. [...]" | |
Robertus Keuchenius Der niederländische Späthumanist Robertus Keuchenius (1636–1673) verfasste während eines Aufenthaltes in der Kurpfalz, vor allem in Heidelberg und Mannheim, über einhundertfünfzig Gedichte, die eine poetische Topographie der Pfalzgrafschaft bei Rhein bieten. Sie stellen einen einzigartigen Fundus für die Kurpfalz wenige Jahrzehnte vor dem Pfälzischen Erbfolgekrieg dar. In der neulateinischen Literatur gibt es wenig Vergleichbares. Die Ausgabe bietet eine Erstedition des Textes mit Übersetzung und Kommentar. | |
Der Heilige Genesius von Schienen Nachdem zur Zeit Karls des Großen Genesiusreliquien aus Italien auf den Schiener Berg gelangt waren, zog die Eigenkirche des Grafen Scrot, die dem Erzengel Michael geweiht war, im Lauf der Zeit immer mehr Pilger und Verehrer an. Scrot, damals in Florenz wirkend, hatte unter ungewöhnlichen Umständen in Rom die Reliquie des Jerusalemer Märtyrers für seine Kirche in Schienen erhalten. In der vorliegenden «kurzen Erinnerungsschrift an die Wunder des heiligen Genesius» (Commemoratio brevis de miraculis sancti Genesii) werden die abenteuerliche Geschichte des Weges der Reliquie sowie die in Schienen geschehenen Wundertaten geschildert. Autor ist ein Reichenauer Mönch, der sie im Auftrag des Abtes Erlebald um 830 geschrieben hat. Die älteste bekannte Fassung aus dem Reichenauer Skriptorium unter Reginbert verwahrt die Badische Landesbibliothek Karlsruhe im Codex Aug. CCII aus dem zweiten Viertel des IX. Jahrhunderts. | |
Wilhelm von Tyrus Der in Palästina geborene Theologe und Jurist Wilhelm von Tyrus (1130-1186) hat eine umfangreiche Kreuzzugschronik verfasst. In ihr schildert er das Leben von Königen, beschreibt Paläste in Konstantinopel und Kairo, den Festungsbau und Belagerungstaktiken. Auch die Schwierigkeiten während einer solchen „Reise nach Jerusalem“ – etwa die Nahrungsbeschaffung für so viele Menschen und die Rekrutierung nach verlustreichen Schlachten – kommen nicht zu kurz. Als Kanzler am Jerusalemer Königshof war es Wilhelm außerdem möglich, Sendschreiben und Gesetzestexte wörtlich wiederzugeben und damit die Authentizität seines Werkes zu unterstreichen. Die vorgelegte Neuübersetzung erleichtert durch kurze Kapitelüberschriften, Sacherklärungen und ein ausführliches Register den Zugang zu diesem eindrucksvollen Zeugnis der Kreuzfahrergeschichte. | |
Walahfrid Strabo: De cultura hortorum (Hortulus). Seit der zweiten Auflage von 2010 sind drei neue Textzeugen bekanntgeworden, die das Bild von der Rezeption und Überlieferung des Hortulus erheblich ergänzen. Aus Ihnen ergibt sich beispielsweise ein lothringischer Überlieferungsschwerpunkt. Bei der Nacharbeit ist aufgefallen, wie viele seltene Vokabeln in Text und Glossen des Hortulus verarbeitet sind. Einige dieser Wörter kann man einer Wortliste entnehmen, die Paulus Diaconus († nach 796) exzerpiert und für die Hofbibliothek Karls des Großen angelegt hat. Wir hätten neben dem Liber medicinalis des Quintus Serenus ein zweites, auf den Hofkontext weisendes Werk und eine nächste Bestätigung dafür, daß Walahfrid den Hortulus in den Jahren am kaiserlichen Hof verfaßt hat. Die neue Auflage erscheint rechtzeitig vor den Feierlichkeiten zum 1300jährigen Jubiläum der Abtei Reichenau. Dem Hortulus bleibt auch weiter zu wünschen, ut ingenti res parvae ornentur honore. |