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Publikationen

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Druck mir 'ne Handschrift!
Facsimilia des Instituts für Europäische Kunstgeschichte
Herausgegeben von Tino Licht, Rebecca Müller und Sophie Marie Daschner
Heidelberg, HeiBooks 2026
ISBN:  978-3-911056-56-4  

Mittelalterliche Handschriften sind fragile Unikate. Den Wunsch, kostbare Codices zumindest als Reproduktion zu besitzen und darin zu blättern, erfüllen Facsimilia. Ihre Herstellung ist sehr aufwendig, wenn etwa Goldauflagen oder ganze Einbände getreu wiedergegeben werden sollen. Facsimilia bieten nur die Illusion eines „Originals“, gleichzeitig vermitteln sie die Präsenz einer schweren Bibel wie die Intimität kleinster Stundenbücher.

Dieser Ausstellungskatalog präsentiert eine Auswahl von Facsimilia des Instituts für Europäische Kunstgeschichte. Ausgehend von einer Lehrveranstaltung der Kunstgeschichte und der Mittellateinischen Philologie gehen die Studierenden den Potentialen dieses Mediums und Besonderheiten einzelner Handschriftengattungen nach.

Der Katalog ist online verfügbar: https://books.ub.uni-heidelberg.de/heibooks/catalog/book/1709

Das Cover des Ausstellungskatalogs „Druck mir 'ne Handschrift!“ zeigt das Lorscher Evangeliar - aufgeschlagen beim Bildnis des Evangelisten Johannes - viermal hintereinander reproduziert.
Buchcover Walter Berschin

Der Symbolismus des zwölften Jahrhunderts
Per visibilia ad invisibilia
Walter Berschin
Wiesbaden, Reichert Verlag 2025
ISBN:  978-37-520-0874-6 

In dem an geistigen Bewegungen reichen zwölften Jahrhundert erscheint neben der in Frankreich entwickelten neuen Klassik und neben der von Paris ausstrahlenden Scholastik auch eine symbolistische Literaturgruppe, die besonders im Sacrum Imperium Verbreitung findet. Ihr führender Kopf ist der aus Lüttich kommende Rupert von Deutz (um † 1130); die bekannteste Gestalt der Bewegung Hildegard von Bingen († 1179). Durchgehendes Thema ist bei fast allen Autoren der Gruppe das Nachdenken über den Sinn der Geschichte. Mit Otto von Freising bekommt die Geschichtsphilosophie eine neue Richtung; mit Anselm von Havelberg setzt im lateinischen Westen die Geschichtstheologie ein; Herrats von Landsberg enzyklopädischer Hortus Deliciarum interpretiert die Verheißung an Abraham (Gn 22,17) als universale Botschaft an die ganze Menschheit, wie das zuvor schon Honorius Augustodunensis in seiner Auslegung des Hohenlieds als ‘Weltheilsdrama’ getan hatte.

 

Isaac de Stella
Acerca de la naturaleza de Dios. Nueve Sermones
Hermeneia 143
herausgegeben und übersetzt von Eduardo Otero Pereira
Salamanca, Ediciones Sígueme 2025
ISBN:  978-84-301-2254-7 

Das menschliche Denken ist progressiv. All das ist eine Prophezeiung dessen, was kommen wird, erklärt aber vor allem aus der Logik der Kontinuität heraus die Vorgeschichte der Ideen einer bestimmten Epoche. Umso überraschender ist es, dass die sogenannte mittelalterliche Philosophie in Vergessenheit geraten ist, wenn nicht sogar verschmäht wird. Einer der unbekanntesten Schöpfer und Vermittler der besten kulturellen Tradition ist Isaac de Stella, der mit Strenge und Schönheit über einige der Hauptthemen der Metaphysik nachdachte, darunter insbesondere das Sein schlechthin. Sein Werk untersucht weitgehend, wie man sich der Natur Gottes durch konzentrische Kreise nähern kann, in denen die Vernunft vom Alltäglichsten und Oberflächlichsten zum Verborgensten und Entscheidendsten des Seins vordringt, jenseits dessen es unmöglich ist, etwas Größeres und Vollkommeneres zu denken. Ohne Denker wie ihn und die Lehrer der Schulen von Chartres und Saint-Victor ist es unmöglich, die antike Philosophie zu verstehen, die klassische Scholastik zu erklären und das Denken der Renaissance zu beleuchten, welches das Tor zur Moderne und Gegenwart darstellt.

Buchcover Isaac de Stella, Acerca de la naturaleza de dios, hg. von Eduardo Otero Pereira
Buchcover: Johannes von Salisbury, Metalogicon, ed. Helga Köhler

Johannes von Salisbury
Metalogicon
übersetzt und kommentiert von Helga Köhler
Bibliothek der Mittellateinischen Literatur Band 19
Stuttgart, Hiersemann 2025
ISBN:  978-3-7772-2310-0

Das Metalogicon des Johannes von Salisbury aus dem 12. Jahrhundert handelt von den Voraussetzungen für ein Studium der Artes Liberales, besonders der Grammatik, Logik und Dialektik. Anhand der überlieferten und zu dieser Zeit bereits ins Lateinische übersetzten Schriften des Aristoteles sowie am eigenen Beispiel zeigt Johannes, wie unentbehrlich diese Bildung für ein nach ethischen Maßstäben gelingendes Leben ist. Hier liegt die erste deutsche Übersetzung vor, in der man außerdem wertvolle Einblicke in das Frühstadium der Pariser Universität mit ihren damals dort Lehrenden wie Peter Abaelard oder Bernhard von Chartres gewinnen kann.

Juan Escoto 
Homilía al Prólogo y comentario al Evangelio de san Juan 
Ichthys 51 
herausgegeben und übersetzt von Eduardo Otero Pereira 
Salamanca, Ediciones Sígueme 2024 
ISBN:  978-84-301-2199-1

Der Mensch möchte Gott kennenlernen, und Gott seinerseits lehnt diesen Wunsch keineswegs ab, sondern begünstigt ihn und erfüllt ihn. Seit den Anfängen des Christentums gilt das Johannesevangelium als ein Text, der nicht nur auf spiritueller, sondern auch auf philosophischer Ebene zum Mysterium Gottes vordringt. Als die monastische Tradition des späten ersten Jahrtausends dieses Evangelium und insbesondere seinen Prolog erneut las, entwickelte sie eine Methode, die Schöpfung, den Menschen, der sie bewohnt, und das göttliche Wort besser zu verstehen. Die Predigt über den Prolog des vierten Evangeliums und der unvollständig erhaltene Kommentar dienen dazu, den Philosophen Johannes Scottus kennenzulernen. Johannes Scottus (9. Jahrhundert) war ein berühmter karolingischer Exeget und Theologe sowie ein produktiver Übersetzer. Er gehörte zur Hofschule Karls des Kahlen, welche Zentrum der karolingischen Renaissance war.

Buchcover: Juan Escoto, Homilía
Buchcover: Griechisch-lateinisches Mittelalter (russische Übersetzung)

Greko-latinskoe Srednewekowje. Russische Übersetzung von Griechisch-lateinisches Mittelalter. 
Walter Berschin, übersetzt von Andrej Vinogradov 
Moskau 2024, 415 p., 16 tab. 
ISBN 978-5-17-165601-0

Ausschnitt aus der übersetzten Vorrede: "Das Buch von Walter Berschin, das Sie in Ihren Händen halten, ist längst zu einem klassischen und unverzichtbaren Leitfaden zur Geschichte der zwischensprachlichen Kontakte im Mittelalter und zu den Schwierigkeiten beim Verstehen einer Fremdsprache sowohl im Westen als auch im Osten der christlichen Welt geworden. Es erschien bereits 1980, wurde ins Englische, Italienische, Neugriechische und Polnische übersetzt, erhielt zusätzliche Register, wurde aber vor allem vom Autor ständig ergänzt. Für diese Ausgabe hat Professor Berschin zahlreiche Korrekturen und Erweiterungen übermittelt, sodass die russische Übersetzung seines Buches als die bisher relevanteste gelten darf. [...]"

Robertus Keuchenius 
Deliciae Palatinae 
Köstlichkeiten der Kurpfalz 
Band 1 Edition 
Band 2 Kommentar 
herausgegeben von Johannes Büge, Peter Mathes, Wilfried Schouwink und Hermann Wiegand 
Heidelberg, Mattes Verlag 2024 
ISBN:  978-3-86809-192-2 

Der niederländische Späthumanist Robertus Keuchenius (1636–1673) verfasste während eines Aufenthaltes in der Kurpfalz, vor allem in Heidelberg und Mannheim, über einhundertfünfzig Gedichte, die eine poetische Topographie der Pfalzgrafschaft bei Rhein bieten. Sie stellen einen einzigartigen Fundus für die Kurpfalz wenige Jahrzehnte vor dem Pfälzischen Erbfolgekrieg dar. In der neulateinischen Literatur gibt es wenig Vergleichbares. Die Ausgabe bietet eine Erstedition des Textes mit Übersetzung und Kommentar.

Buchcover: Robertus Keuchenius, Deliciae Palatinae
Buchcover: Der Heilige Genesius von Schienen

Der Heilige Genesius von Schienen 
von Theodor Klüppel 
Reichenauer Texte und Bilder 17 
Heidelberg, Mattes Verlag 2024 
ISBN 978-3-86809-201-1

Nachdem zur Zeit Karls des Großen Genesiusreliquien aus Italien auf den Schiener Berg gelangt waren, zog die Eigenkirche des Grafen Scrot, die dem Erzengel Michael geweiht war, im Lauf der Zeit immer mehr Pilger und Verehrer an. Scrot, damals in Florenz wirkend, hatte unter ungewöhnlichen Umständen in Rom die Reliquie des Jerusalemer Märtyrers für seine Kirche in Schienen erhalten. In der vorliegenden «kurzen Erinnerungsschrift an die Wunder des heiligen Genesius» (Commemoratio brevis de miraculis sancti Genesii) werden die abenteuerliche Geschichte des Weges der Reliquie sowie die in Schienen geschehenen Wundertaten geschildert. Autor ist ein Reichenauer Mönch, der sie im Auftrag des Abtes Erlebald um 830 geschrieben hat. Die älteste bekannte Fassung aus dem Reichenauer Skriptorium unter Reginbert verwahrt die Badische Landesbibliothek Karlsruhe im Codex Aug. CCII aus dem zweiten Viertel des IX. Jahrhunderts.