Entwicklung eines Kurzschrifttools auf Grundlage der Dechiffrierung eines Vergilkommentars in tironischen Noten Stenographie in historischen Dokumenten
Projektzusammenfassung
Der «Vergilius Turonensis», eine heute in Bern liegende Handschrift mit dem Gesamtwerk des Vergil, wurde im 9. Jahrhundert in wissenschaftlichen Zentren an der Loire kopiert und kommentiert. Das Layout der Handschrift lies Platz für umfangreiche lateinische Zeilen- (interlinear) und Randkommentare (marginal). Die Glossen bestehen aus einer Mischung aus Alphabetschrift und stenographischen Zeichen, sogenannten tironische Noten, die im ›karolingischen‹ IX. Jahrhundert in den Schulen wieder vermittelt wurden, primär auf Grundlage eines spätantiken Lehrbuchs, den ›Commentarii Notarum Tironianarum‹. Nachdem aus der Antike kaum Zeugnisse erhalten sind und nur die karolingische Überlieferung eine signifikante Menge stenographischen Materials hinterlassen hat, ist die Fähigkeit zur Lesung tironischer Noten eine seltene wissenschaftliche Kompetenz geblieben. Der «Vergilius Turonensis» enthält historische Informationen und Reflektionen, karolingische Gelehrte wie Johannes Scottus Eriugena sind in den Glossen zitiert; Heiric von Auxerre arbeitete eigenhändig (autograph) an der Glossierung mit. Es handelt sich um einen herausragend wichtigen Klassikerkommentar der Karolingerzeit.
Ziel des Projekts
- Vorbereitung und Teildurchführung einer hybriden Edition des Textes
- Entwicklung eines Tools zur "betreuten Dechiffrierung" historischer Kurzschriftsysteme
- traditionelle Kommentaredition als Printversion
Projektbeteiligte
Prof. Dr. Tino Licht
E-Mail: tlicht@ix.urz.uni-heidelberg.de
Telefon: 06221/54-2736 Telefax: 06221/54-3701
Dr. Vincent Christlein, Universität Erlangen-Nürnberg
E-Mail: vincent.christlein@fau.de
Jun.-Prof. Dr. Nikolaus Weichselbaumer, Universität Mainz
E-Mail: weichsel@uni-mainz.de
