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Neuerscheinung Tobias Daniels (Hg.), Der zweite Romzug Kaiser Friedrichs III. (1468/69)

Pilgerfahrt, Fürstenreise, politische Unternehmung

Seit der Kaiserkrönung Ottos des Großen (962) gehörten Italienzüge zu den Konstanten der Herrschaftspraxis römisch–deutscher Könige. Die militärische Durchsetzung von Königsherrschaft im so genannten Reichsitalien, die Vorbereitung und Durchführung der Kaiserkrönungen, die sie bestimmenden politischen Konstellationen und ihre Auswirkungen bilden klassische Themen der mediävistischen Geschichtswissenschaften, deren Fokus traditionell auf der Königs– und Kaisergeschichte als Herrschaftsgeschichte lag. In der jüngeren Forschung ist verstärkt eine Tendenz zu beobachten, die lange Zeit weniger prominenten Romzüge des Spätmittelalters mit neuen methodischen Herangehensweisen und unter Nutzung der reichlich vorhandenen, aber oft noch wenig erschlossenen Quellenbestände umfassender zu kontextualisieren und besonders in ihrer kulturgeschichtlichen Relevanz auszuwerten. Dabei geraten Aspekte der politischen Kommunikation und Theorie, der herrscherlichen Präsenz, Repräsentation und Inszenierung, der Verfahrens- und Ritualgeschichte, des kulturellen Austauschs, Kulturtransfers, der Oratorik sowie der materiellen Kultur und der Erinnerungskultur in das Blickfeld.Einer dieser Romzüge fällt in vielerlei Hinsicht aus dem Rahmen: der zweite Romzug Kaiser Friedrichs III. (1415–1493) an der Jahreswende 1468/69. Er gilt als letzter und zugleich atypischer Romzug eines römisch–deutschen Königs und Kaisers im Mittelalter, der eine fünfhundertjährige Tradition beendete. Durch den Kaiser dezidiert als Pilgerreise ausgewiesen, war dies ein sehr vielschichtiges Unternehmen, das nur in einer multiperspektivischen Herangehensweise zu entschlüsseln ist. Der vorliegende Band will dazu einen Beitrag leisten. Er strebt eine Neubewertung des zweiten Romzugs Friedrichs III. an, die auf die lange unterschätzte Italienpolitik dieses Habsburgerkaisers im Kontext der kulturellen Beziehungen zwischen Süd und Nord neues Licht wirft. Neben Fragen der Frömmigkeitsgeschichte und Kirchenpolitik werden die Wirkkraft politischer Verfahren und des Zeremoniells, das Aufeinandertreffen ritterlich-höfischer und humanistischer Kultur, das Papst-Kaiser-Treffen, die Bedeutung von astrologischer Politikberatung, die gegenseitige Wahrnehmung von Süd und Nord sowie die Perzeption des rinascimentalen Italiens, Roms und seiner antiken Hinterlassenschaften auf der Grundlage reichhaltigen neu erschlossenen Quellenmaterials beleuchtet.

 

Verlag

Cover des Buches „Der zweite Romzug Kaiser Friedrichs III. (1468/69)“, hg. von Tobias Daniels