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Dr. Kevin Lenk  Eine Kröte namens Leviathan. Imperiale Staatlichkeit, Souveränität und Völkerrecht in der maritimen Sattelzeit (1890-1958)

Die Dominanz eiserner Dampf- und später Dieselschiffe ab den 1870er Jahren veränderte die Weltmeere grundlegend. Einerseits ermöglichte sie zuverlässige Fahrpläne und bisher ungeahnte Transportkapazitäten und -geschwindigkeiten. Andererseits rief sie insbesondere für westliche Imperien auch neue Bedrohungsszenarien hervor, wie intensivierten Schmuggel, neue Formen maritimer Gewalt und ein gesteigertes Risiko globaler Epidemien. Diese Herausforderungen entwerteten bisherige Erfahrungsräume maritimer Sicherheit und zwangen die betroffenen Imperien, im Angesicht einer nicht planbaren Zukunft erneut zu lernen, die Meere zu sichern und so für sich beherrschbar zu machen. Auch das scheinbar seit Jahrhunderten vertraute maritime und Völkerrecht musste dabei weitreichend rekonfiguriert werden. 

Das Projekt untersucht am Schnittpunkt von Sicherheitsgeschichte, Maritime History und transimperialer Geschichte, wie genau Imperien dieser Herausforderung begegneten. Es geht dabei von drei Fallstudien aus: Der maritimen Verbotszone der Brüsseler Generalakte (1890-1939), der Bekämpfung von Schiffsentführungen um Hong Kong (1919-1939) und der Arbeit des Office international d’hygiène publique (1907-1939). Die Untersuchung soll zeigen, dass transimperiale Sicherheitsregime der beschleunigten Verrechtlichung des Meeres im 20. Jahrhundert vorausgingen und der globalen maritimen Ordnung bis heute nachwirkende Machtasymmetrien einschrieben. Dass die Ordnung des Meeres heute auf Basis der Gouvernementalität souveräner Nationalstaaten basiert, stellte dabei keine Ablösung von imperialer Dominanz auf den Meeren dar, sondern die Nationalisierung der Meere war selbst eine imperiale Sicherheitsstrategie, die genauso vom Land auf das Meer wirkte wie umgekehrt. Der Leviathan ist folglich amphibisch, eine Kröte. 

Kontakt

Dr. Kevin Lenk

Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Historisches Seminar
Grabengasse 3-5
69117 Heidelberg

E-Mail: kevin.lenk@zegk.uni-heidelberg.de

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