Beitrag von Joris Rastel Eine andere Welt, 30 Minuten mit der S-Bahn entfernt
Das deutsch-französische Programm taucht in die konfessionelle Geschichte der Kurpfalz ein
Während die Weihnachtsferien näher rückten und die Heidelberger:innen sich feierlich mit Speis und Trank auf dem Weihnachtsmarkt am Universitätsplatz begnügten, haben sich alle Mitglieder des deutsch-französischen Studiengangs in Geschichtswissenschaften, der gemeinsam mit der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS-Paris) umgesetzt wird, für einen letzten wissenschaftlichen Impuls im Jahr 2025 versammelt. Obgleich Wissenschaft der Grund für die Versammlung war, hat es alle Teilnehmenden jedoch nicht gehindert, sich auf die immer wohlwollende und freundliche Stimmung, die in dieser Jahreszeit ja angebracht ist, einzulassen.
Das Programm für den 20., 21. und 22. Dezember war vielversprechend: 8 Masterstudentinnen und -studenten und eine Doktorandin sollten ihre laufenden Forschungen vorstellen und besprechen. Die Beiträge umfassten eine Zeitspanne von 800 Jahren (vom XII. bis hin zum Ende des XX. Jahrhunderts). Wenn europäische und deutsch-französische Geschichte zwar im Mittelpunkt standen, bot der Vortrag von Teresa Göltl einen Einblick in die Geschichte der Karibik an. Als Oberthema für dieses Winteratelier wurde die konfessionelle Geschichte der Kurpfalz während der frühen Neuzeit gewählt. Der Ausflug nach Speyer am 21. und die Besprechung von wissenschaftlichen Beiträgen zum Thema boten die Gelegenheit, sich unmittelbar mit diesen lokal bedeutenden Fragen auseinanderzusetzen.
Nach einer informellen Versammlung bei Kaffee und Lebkuchen, wo die Freude des Wiedersehens herrschte, öffnete Iason Thiele (M2) das Atelier mit einem Vortrag zu den sermones curiales vom spanischen Franziskaner Juan Gil de Zamora (1251–1306). Darauf folgte die Vorstellung ihrer laufenden Promotion durch Teresa Göltl (D4), die Fälle von Gerichtsverfahren gegen Sklavenhalter in den französischen karibischen Kolonien in der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts untersucht. Anschließend hat Emily Hatzenberger (M2) ihre Arbeit zur Integration der petrochemischen Leuna-Werke im gemeinsamen energetisch-industriellen Komplex des Ostblocks zwischen 1958 und 1975 vorgestellt. Zum Schluss hat Johanna Büttner nach einem anspruchsvollen Themenwechsel einen Einblick in die Frauenbilder und Darstellung der „Halbwelt-Figuren“ der Wiesbadener Kurgesellschaft an der Jahrhundertwende angeboten.
Der zweite Tag fing mit dem Vortrag von Joris Rastel (M2) über den „Verband russischer Großkaufleute, Industrieller und Financiers“, der Teil der russisch-antibolschewistischen Emigration in Paris und Berlin während der Zwischenkriegszeit war, an. Der Vortrag von Kim Gallioz ermöglichte einen Sprung in die Zeitgeschichte, indem er sich mit rechtsradikalen Bewegungen in Frankreich und in der BRD, wie etwa die Dissidenten der NPD oder die Action Nouvelle Droite, befasst. Vor der Mittagspause hat Eline Fleuret ihre Erforschung ökonomisch-politischer Dynamiken innerhalb der La-Tremoïlle-Familie anhand von Briefwechseln von Frauen, die im Ausland verheiratet waren, ausführlich vorgestellt.
Am darauffolgenden Nachmittag erreichte das Atelier mit dem Ausflug nach Speyer seinen Höhepunkt. Sofort nach der Ankunft am Bahnhof machte sich die Gruppe auf den Weg zum imposanten Dom. Kurz vor dem Besuch fasste Iason Thiele auf dem Vorplatz die wichtigsten Informationen zum größten romanischen Dom der Welt zusammen. Dann konnten alle Teilnehmenden sich von der Schlichtheit, der Harmonie und der Höhe der Architektur beeindrucken lassen. Mit dem Besuch der Ausstellung „Kreuz und Krone“ im Historischen Museum Speyer konnten Lehrende und Studierende weiter in die Schönheit der mittelalterlichen Kunst eintauchen. Die Bestände von Dom und Bistum umfassen eine Vielfalt christlicher Kunstformen: Skulpturen von Gestalten und architektonischen Elementen, Malerei sowie liturgische Bücher, Kleidungen und Zubehör. Nach einer freien Runde in der Stadt und auf dem Weihnachtsmarkt ließ sich der Tag gemeinsam mit einem Abendessen griechischer Art ausklingen.
Am dritten und letzten Tag haben Léa Delautel (M2) und David Weiß (M2) ihre laufenden Arbeiten jeweils über die Rolle der Liga für Menschenrechte in der Verteidigung internierter Zivilisten in Frankreich während des Ersten Weltkriegs und die Entwicklung des Sports für Menschen mit Behinderungen in der frühen BRD vorgestellt. Dann wurden die Eindrücke zum Ausflug am Vortag geteilt. Auf Initiative der Heidelberger Studenten wurde eine Diskussion zur Geschichte konfessioneller Dynamiken in der Kurpfalz zur Zeit der Reformation geführt. Dies stellte sich für die Studenten als eine schwierige Aufgabe heraus, bei der sie aber ihre Fähigkeiten als Jungwissenschaftler:innen stärken konnten. Wie üblich lud der Alumni-Verein HEIPAR zu einem gemeinsamen Mittagessen ein, bei dem alle Programmangehörigen sich in einer fröhlichen Atmosphäre gegenseitig schöne Feiertage wünschen konnten.
Danksagung
Herzlicher Dank gilt allen Programmverantwortlichen: Thomas Maissen, Florian Pfeiffer, Damian Domke, Emmanuel Saint-Fuscien, Julien Blanc und Jean-Hugo Ihl. Besonders bei Damian Domke, der das organisatorische und logistische Gelingen der ganzen Veranstaltung auf sich genommen hat, bedanken sich alle Teilnehmenden.






