Lateinische Philologie des Mittelalters und der Neuzeit Lehrveranstaltungen
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Lehrveranstaltungen Sommersemester 2026
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Haupt-/Oberseminar | |
Kirchenväterkolloquium: Cassiodor (†583), Institutiones 2st., Do 18.00-19.30 Beginn: 16.IV. Prof.Licht et al. Cassiodor (†583), der aus einer senatorischen Familie stammt, ist am Gotenhof Theoderichs des Großen aufgestiegen. Nach dem Ende der politischen Karriere hat er auf seinem Grundbesitz im Süden Italiens in der Nähe des heutigen Squillace ein Kloster gegründet, das durch seine Fischzucht ausgezeichnet war und das er mit der Bezeichnung für den Fischweiher Vivarium nannte. In Vivarium sollte die Idee einer monastischen Akademie, einer Verschmelzung von Bibelstudium und weltlicher Wissenschaft umgesetzt werden. Als Leitfaden dazu verfaßte er zwei Bücher Anweisungen, die Institutiones divinarum et saecularium litterarum. Sie sind ein Zeugnis der Studien, des Schreibens, des Aufbaus einer wissenschaftlichen Bibliothek, insgesamt ein Referenztext für die Entwicklung des gelehrten Mönchtums im Ausgang der Spätantike. Im Kirchenväterkolloquium wird dieser Schüsseltext von Vertretern verschiedener Disziplinen gelesen und diskutiert. Die Veranstaltung richtet sich an alle kulturhistorisch Interessierten und kann als Übung oder Haupt- bzw. Oberseminar belegt werden. Textgrundlage: R.A.B.Mynors (ed.), Cassiodori senatoris Institutiones, 2.Aufl., Oxford 1961. | |
Laudes urbium. Lateinisches Städtelob von der Spätantike bis zum Barock 2st., Di 14.15-15.45 Beginn: 14.IV. Prof.Wiegand Schon in der Antike entstanden Lobreden in Prosa und Lobgedichte in Versen auf bedeutende Städte wie Athen und besonders Rom (laudes Romae), ja ganze Städtelobzyklen wie der Ordo urbium nobilium des Magnus Decimus Ausonius (†394), der in der Renaissance zahlreiche Nachfolger fand. Im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit blühte dieses Genre nicht nur unvermindert, sondern fand weit intensivere Pflege, so etwa bei Hildebert von Lavardin (†1133) für Rom oder bei Leonardo Bruni (†1444) für Florenz. Im deutschen Kulturraum wirkten die Lobe auf die Stadt Basel von Enea Silvio Piccolomini (†1464) auf die deutschen Humanisten, die zahlreiche Städte wie Nürnberg - Konrad Celtis (†1508) in Prosa, Eobanus Hessus († 1540) in Versen -, Köln - Hermann von dem Busche (†1534) -, Heidelberg - Robert Gaguin (†1501) - und viele andere zum Gegenstand von Lobreden und Gedichten nicht nur in lateinischer Sprache machten. In dem Seminar werden ausgewählte Beispiele in Prosa und Poesie seit der Spätantike gemeinsam gelesen und interpretiert - darunter auch unbekannte auf Heidelberg - und auf ihr Bild der Stadt befragt. 'Lokale Interessen' der Seminarteilnehmer werden nach Möglichkeit berücksichtigt. Die Texte werden vom Leiter des Seminars zur Verfügung gestellt. | |
Proseminar/Lektüre | |
Zwischen Himmel und Erde. Heilige in der lateinischen Literatur des Mittelalters 2st., Di 11.15-12.45 Beginn: 14.IV. Hanna Blume M.A. Ein Leichnam, der auch nach Monaten noch unverändert ist, eine Heilung wie von Wunderhand: Heilige und ihre Verehrung spielen in der mittelalterlichen Glaubenswelt und Literatur eine große Rolle. Diese soll im Proseminar anhand von Beispielen verschiedener Epochen und aus unterschiedlichen Gattungen (u.a. Gerichtsakten, Wunderberichte, Passionen und Hymnen) untersucht werden. Neben der Textlektüre werden Sprache und Stil sowie der Umgang mit Heiligen und Heiligkeit zur Sprache kommen. Außerdem vermittelt das Proseminar grundlegende Kenntnisse zum wissenschaftlichen Arbeiten im Fach Mittellatein, den wichtigsten Nachschlagewerken und Hilfsmitteln. Es wird ein begleitendes Tutorium angeboten. Leitfaden für das Proseminar: W.Berschin, Einleitung in die Lateinische Philologie des Mittelalters, 2.Aufl., Heidelberg 2019. Tutorium zum Proseminar 2st., Mi 14.15-15.45 Beginn: 22.IV. Oesterling B.A. | |
Lektüre | |
Erstlektüre für Historiker: Matthaeus Parisiensis († 1259), Cronica maiora 2st., Mo 16.15-17.45 Beginn: 13.IV. Dr.Otero Pereira Trotz des Beinamens ist Matthäus Paris ca. 1200 in England geboren und dort 1217 ins Kloster von Saint Albans eingetreten. Im Jahr 1236 übernahm er die Aufgabe des Chronisten der Abtei, überarbeitete die Werke seiner Vorgänger und fügte eigenes historiographisches Material hinzu. Das Ergebnis dieser Tätigkeit sind die Chronica maiora, die im Todesjahr 1259 des Autors enden. Quellen waren Briefe und Urkunden, die er manchmal in sein Werk einfließen ließ, oder Gespräche mit Protagonisten wie Richard von Cornwall (†1272) und König Henry III. (†1272), der 1257 persönlich die Abtei besuchte, um sich die Arbeit von Matthäus vorlegen zu lassen. Obwohl sich die Chronik auf England konzentriert, ist sie eine wichtige Quelle für die letzten Jahre der Herrschaft Friedrichs II. (†1250), die Invasionen der Mongolen, die Kreuzzüge und die Ereignisse rund um die Römische Kurie. Die Texte, die behandelt werden, erzählen Begebenheiten zwischen 1236 und 1259, deren Zeuge er selbst war. Der Lektürekurs wendet sich an Anfänger mit wenig Lektüreerfahrung. Der Text wird im Plenum gelesen und übersetzt. Textgrundlage: H.R.Luard (ed.), Matthaeus Parisiensis. Chronica majora, vol. I-VII, London 1872-1883. | |
Übung | |
Metrik und Rhythmik: Poetische Epigraphik im Frühmittelalter Blockveranstaltung Beginn: 24. u. 25.IV., 11-18 Uhr Johannes Büge M.A. Dichtung war seit der Antike nicht nur in Büchern zu finden, sondern durchzog in der Form von Inschriften viele Bereiche des geistlichen, aber auch säkularen Lebens. Auf Gegenstände des Alltags, Gebäude(-ensembles), in bildliche Darstellungen (nicht nur) in Handschriften wurden Verse als eigenständiges Kleinstkunstwerk inseriert, um dem Anspruch an ein künstlerisches Ensemble nicht nur auf visueller, sondern auch auf intellektueller Ebene gerecht zu werden. Anhand dieser sog. Tituli, die im Frühmittelalter auch eine eigenständige literarische Tradition ausprägten, erwerben die Teilnehmenden Kenntnisse in der lateinischen Metrik und Rhythmik, im Bestimmen und Erkennen von Versmaßen. Die Analyse poetischer Gestaltungsmittel wird erlernt und anhand ausgewählter Texte in der Praxis angewandt. Grundlegende Lateinkenntnisse sind für die Teilnahme erforderlich; es seien Studierende aller mediävistisch arbeitenden Disziplinen zur Teilnahme ermutigt. Anmeldung bis zum 15.IV.2026 an johannes.buege@zegk.uni-heidelberg.de Die Folgetermine werden in der ersten Sitzung vereinbart. | |
Übung (auch grundwissenschaftlich) | |
Paläographie II: «Nationalschriften» des frühen Mittelalters und karolingische Minuskel (für Anfänger) 2st., Mi 9.15-10.45 Beginn: 15.IV. Prof.Licht Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen der wichtigsten Schriften des Frühmittelalters. Neu hinzukommende Teilnehmer werden gebeten, bis zum Beginn der Übung F.Steffens, Lateinische Paläographie, 2.Aufl., Berlin-Leipzig 1929, tab.12, 15, 17, 19, 20 und 24 nachzuarbeiten. | |
Übung/Hauptseminar (auch grundwissenschaftlich) | |
Paläographie IV: «Gotische» und «Humanistische» Schriftarten 2st., Mi 11.15-12.45 Beginn: 15.IV. Prof.Licht Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen lateinischer Schrift vom XII. bis zum XV. Jahrhundert mit einem Ausblick auf die moderne Schriftentwicklung. Interessenten ohne Vorkenntnisse möchten bitte kurz per Email (tino.licht@urz.uni-heidelberg.de) Kontakt aufnehmen. | |
Blockveranstaltung (auch grundwissenschaftlich) | |
Sommerkurs Paläographie: Lateinische Schrift Mo-Fr 9.15-17.45 31.VIII.-11.IX. Prof.Licht et al. Gegenstand des Kurses ist die lateinische Schrift (vom Anfang bis ins XX. Jahrhundert) und die Vermittlung ihrer Grundlagen. Fragen zur Schriftgeschichte werden mit traditionellen und modernen Ansätzen diskutiert. Die Teilnehmer erwerben Datierungs- und Lokalisierungssicherheit und eine Lesekompetenz, die zwei Jahrtausende Schriftlichkeit umfaßt. Hauptorganisationsform ist die Übung: Einzelne Schrifttafeln werden gemeinsam gelesen, Ergebnisse im Plenum gesichert und methodische Ansätze samt Forschungsliteratur besprochen. |
Lehrveranstaltungen Wintersemester 2025/26
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Hauptseminar/Lektüre | |
Erasmus von Rotterdam († 1536), Friedensschriften 2st., Di. 14.15-15.45 Beginn:14.X. Prof.Wiegand Erasmus von Rotterdam ist einer der prominentesten Friedensdenker der Frühen Neuzeit. Sein Nachdenken über Krieg und Frieden ist bei aller Zeitgebundenheit noch heute diskussionswürdig. In ganz verschiedenen Textsorten wie Rede, Brief, Satire, Colloquia familiaria und Adagia hat sich Erasmus mit der Thematik auseinandergesetzt. In dem Seminar werden seine einschlägigen Hauptschriften gemeinsam gelesen und vor dem Zeithorizont und im Blick auf ihre Entstehungsbedingungen interpretiert, so die Querela pacis, das Dulce bellum inexpertis, einschlägige Stellen aus Briefen, aus der Satire Iulius exclusus e coelis, aus der Institutio principis Christiani, aus Türkenschriften etc. Andere Friedensdenker wie Juan Luis Vives (†1540) werden miteinbezogen, ebenso die Nach- und Fernwirkung der Friedensschriften des Erasmus. Die Texte werden vom Seminarleiter in Kopie zur Verfügung gestellt. Zur Kontaktaufnahme: Christine Christ-von Wedel, Erasmus von Rotterdam. Ein Porträt, Basel 2016. | |
Lektüre | |
Lectura Vulgatae: das Buch Iob und seine Auslegung in den Moralia in Iob Gregors des Großen († 604) 2st., Mo. 11.15-12.45 Beginn: 13.X. Johannes Büge M.A. Das biblische Buch Iob schildert die Prüfung des gleichnamigen Hauptprotagonisten, der großen Leiden ausgesetzt ist und dennoch seine Glaubenstreue unter Beweis stellt. Sein Leiden ist eine Probe darauf, ob er auch in persönlicher Not zu Gott steht. Im Buch Iob stellt sich die Frage der Gerechtigkeit Gottes, der Theodizee. Zu Iob lesen wir Auszüge aus den Moralia in Iob Gregors des Großen, dem wohl wirkmächtigsten Kommentar zu diesem Bibelbuch. Die Veranstaltung gewährt Einblicke in das literarische Wirken des letzten lateinischen Kirchenvaters und in die Sprache der Vulgata, die für das gesamte Mittelalter prägend war. Textgrundlage: Robert Weber et al. (edd.), Biblia sacra iuxta vulgatam versionem, 2 vol. Stuttgart 1969. Marcus Adriaen (ed.), S. Gregorii Magni Moralia in Iob, 3 vol., Turnhout 1979-1985. Texte werden in Auszügen zur Verfügung gestellt. | |
Erstlektüre für Historiker: Eine ottonische Gesandtschaft zum Kalifen. Die Vita des Johannes von Gorze 2st., Mo. 16.15-17.45 Beginn: 13.X. Dr.Otero Pereira Johannes von Vandières oder von Gorze war ein Mönch, Diplomat und Klosterreformer (†974). Er wurde im Moseltal in eine fromme Familie hineingeboren. Nachdem er mehrere Klöster in Italien besucht hatte, wurde er 933 oder 934 Mönch in der Abtei Gorze und nach 967 am selben Ort Abt. Seine von Johannes von St. Arnulf in Metz verfaßte Vita ermöglicht es uns, aus erster Hand das soziale und religiöse Umfeld kennenzulernen, in dem sich die lothringische Klosterreform des X. Jahrhunderts entwickelte. In diesem Leben kommt ausführlich die diplomatischen Reise zur Sprache, die Johannes im Auftrag Kaiser Ottos I. an den Hof des Kalifen von Córdoba unternahm und die bis 956 dauerte. Johannes reiste über Dijon, Lyon, Avignon, Barcelona und Saragossa. Der Bericht über diese Gesandtschaft ist ein einzigartiges Dokument der Beziehungen des Reiches zum andalusischen Spanien sowie des sozialen und religiösen Umfelds von Córdoba, wo Muslime mit Juden und Christen zusammenlebten. Der Lektürekurs wendet sich an Anfänger mit wenig Lektüreerfahrung. Der Text wird im Plenum gelesen und übersetzt. Textgrundlage: Peter Christian Jacobsen (ed.), Die Geschichte vom Leben des Johannes, Abt des Klosters Gorze, Wiesbaden 2016. | |
Übung (auch grundwissenschaftlich) | |
Fac simile! Übung zur Vorbereitung einer Ausstellung 2st., Do. 13.30-16.00 (14tägig) Beginn: 16.X. Proff.Müller/Licht Das Institut für Europäische Kunstgeschichte verfügt über den für eine Institutsbibliothek außergewöhnlich reichen Bestand von über 70 Facsimilia von Prachthandschriften des VI. bis XVI. Jahrhunderts. Eine Auswahl davon soll 2026 in einer Ausstellung im Universitätsmuseum gezeigt und durch Präsentation, begleitende Texte (einschl. Katalog) und Führungen für ein breiteres Publikum erschlossen werden. Die Ausstellung wird interdisziplinär in den Fächern Mittellatein, Historische Grundwissenschaften, Cultural Heritage und Kunstgeschichte organisiert (Interessierte aus dem Studiengang Cultural Heritage nehmen bitte Kontakt mit tino.licht@urz.uni-heidelberg.de auf). Mit der inhaltlichen Erschließung und dem Abfassen der Ausstellungs- und Katalogtexte wurde in einem Seminar im SS 2025 begonnen. In der nun folgenden Übung im WS 2025/26 steht das 'Ausstellungsmachen' samt Pressearbeit, Einrichtung, Eröffnung und Abbau der Ausstellung im Zentrum. Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wird ein hohes Maß an Zuverlässigkeit, Mitdenken und selbständigem Arbeiten erwartet. Teilnehmerinnen und Teilnehmer des vorhergehenden Seminars werden bevorzugt aufgenommen. | |
Paläographie I: Von den spätantiken Majuskelschriften zur karolingischen Minuskel (für Anfänger) 2st., Mi. 9.15-10.45 Beginn: 15.X. Prof.Licht Die Übung führt in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen spätantiker und frühmittelalterlicher lateinischer Schriften anhand von digitalen Handschriftenabbildungen und Kopien aus Tafelwerken ein. | |
Übung/Hauptseminar (auch grundwissenschaftlich) | |
Paläographie III: Von der karolingischen Minuskel zu den gotischen Schriftarten 2st., Mi. 11.15-12.45 Beginn: 15.X. Prof.Licht Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen lateinischer Schriften vom X. bis XIII. Jahrhundert. Interessenten ohne Vorkenntnisse möchten sich bitte per E-Mail (tino.licht@urz.uni-heidelberg.de) anmelden. |